M, Mu, Murakami

Ich bin im Buchladen, um meiner neuen Murakami-Obsession zu frönen. Ich suche also M im endlosen Bücherregal, dann Mu, bis ich sie finde: die Bücher von Murakami. Leider sind es nur fünf Stück – und drei davon habe ich schon. Da steht die alte Fassung von «Südlich der Grenze, westlich der Sonne», noch als «Gefährliche Geliebte». Ich suche «1Q84», finde das Buch aber nicht, dabei ist es wohl das wichtigste Werk von Murakami. Ein großer Buchladen sollte es dahaben, finde ich.

Es gibt in der Innenstadt leider nur noch einen weiteren großen Buchladen; vor ein paar Jahren waren es noch vier gewesen. In den Stadtteilen gibt es kleinere, aber die schließen schon um 18 Uhr, wenn ich Feierabend habe. Dort spontan ein bestimmtes Buch zu kaufen, klappt auch nur, wenn es ein neuer Bestseller ist oder eine heiße Neuerscheinung. «Tyll» vom Kehlmann etwa, das haben sie natürlich alle; aber einen alten Murakami? Eher nicht.

Buchladen #2

Ich mache mich auf den Weg zum anderen Buchladen. Auf dem Weg kaufe ich einen Bremer bei der Nordsee. Keine Ahnung, aber ich hatte plötzlich Hunger auf Ketchup und Zwiebeln. Ich esse halb auf, dann bin ich beim Buchladen #2. Es ist ziemlich leer. M, Mu, Murakami. Die Auswahl ist größer – und tatsächlich, da steht auch ein Exemplar von «1Q84». Aber die Ausgabe sieht ziemlich mitgenommen aus. Ich bin ein Snob, was Bücher betrifft, deswegen mag ich auch Bibliotheken nicht, weil die Bücher stinken und zwischen den Seiten Krümel und Fingernägel liegen. (Ich übertreibe.) Also kaufe ich alle Bücher immer neu – lass mich, das ist halt so. Und ein Buch mit Knicken und Flecken kaufe ich nicht. Die Enttäuschung ist groß, das Leben ist unfair. Ich verlasse geknickt den Buchladen, bin draußen auf der Straße, es ist dunkel und es regnet. Die Welt ist ungerecht, den neuen Fitzek haben sie. Wenn ich den gewollt hätte, ich hätte für jedes Zimmer ein eigenes Exemplar kaufen können.

Mir fällt mein Kindle ein. Ich kann «1Q84» einfach als E-Book kaufen, ist ja auch billiger und geht in wenigen Minuten. Aber einen Murakami auf dem Ding lesen? – Nein, nein, nein, das geht nicht, das passt nicht, ich kann nicht! Es fehlt was. Ich muss Geduld haben, das Buch bestellen, ein LKW muss es von irgendwoher in die Stadt fahren, damit ich mein sinnliches und haptisches Vergnügen habe. Lass mich, das ist halt so.

Nachtrag: Nachdem ich diese Zeilen tippte, bin ich in der Mittagspause zum kleinen Buchladen um die Ecke gelaufen und habe dort «1Q84» bestellt; soll morgen kommen, um halb zehn kann ich’s abholen.